Vor gut einem Jahr ging das Fahrradverleihsystem „MeinRad“ an den Start – Zeit für die CDU-Rathausfraktion, eine erste Bilanz zu ziehen. „ESWE Verkehr und der zuständige Dezernent, Andreas Kowol ziehen ein positives Fazit. Wenn man sich allerdings ansieht, welche Ziele und Vorstellungen wir mit der Einführung eines städtischen Fahrradverleihsystems verbunden haben, muss man feststellen: Es besteht Nachholbedarf an allen Ecken und Enden“, stellt Eberhard Seidensticker, Stadtverordneter der CDU und Mitglied im Ausschuss für Planung, Bau und Verkehr, fest. Die Ankündigungen zum Projektstart waren vollmundig: eine Kompatibilität mit Nextbike wurde versprochen, zum Projektstart sollten bereits Lastenräder und Pedelecs verfügbar sein, eine neu entwickelte Software sollte ebenso Komfort ermöglichen wie eine neue integrierte Schlosslösung. Die Realität sieht jedoch anders aus. „Ein wirkliches Novum wäre es gewesen, hätte man die Wiesbadener zu den Rädern von Nextbike systemkompatibel gemacht. Doch davon ist längst keine Rede mehr“, bilanziert Seidensticker. Probleme gab es direkt auch in der Praxis. Erst stellte sich heraus, dass die Software es möglich machte, sich mit falschen Daten zu registrieren und Räder auszuleihen. Missbrauch und Beschädigungen waren die Folge. Defekte gab es reihenweise auch bei den Schlössern. Gelöst sind die Schwierigkeiten nach wie vor nicht. „Statt einer Anmeldung per App oder Browser müssen neue Nutzer erst einmal persönlich bei ESWE Verkehr vorstellig werden. Was moderne Service und niedrigschwelliger Zugang sein sollten, ist ein Konstrukt von vorgestern geworden. Neue Nutzer, wie z.B. Touristen, werden verschreckt, das Potenzial von Kunden wird nicht abgeschöpft.“ Dies gilt insbesondere auch für die 13.000 Studierenden der Hochschule RheinMain. Durch die nicht realisierte Kompatibilität mit Nextbike geht MeinRad eine große Nutzergruppe verloren.

Auch beim Thema E-Mobilität hängt das System hinterher. Die ersten Lastenräder sollen zwar bald zur Verfügung stehen, doch ob und wann E-Bikes integriert werden, steht nach wie vor in den Sternen. „Dabei wäre gerade E-Bikes und auch E-Lastenräder besonders interessant für Wiesbaden, zum einen aufgrund der Topographie, zum anderen weil diese Räder in der Anschaffung eher teuer sind. Das kann sich nicht jeder ohne weiteres zulegen. E-Räder zur Ausleihe anzubieten, wäre daher ein sinnvolles Angebot“, findet die Stadtverordnete Sarah Weinerth.
Als nächster Schritt steht nun die Verbindung der Radverleihsysteme von Wiesbaden und Mainz an. Aber auch nach einem Jahr gibt es noch immer keine Lösung für gemeinsame Ausleih- und Rückgabestationen der beiden Vermietsysteme. Während in Wiesbaden die Räder auch an vollen Stationen neben den vorgesehenen Ständern abgestellt und abgegeben werden können, ist das in Mainz nicht möglich. Seidensticker abschließend: „Insgesamt ist noch sehr viel Luft nach oben. Bisher ist es nicht gelungen, die Ziele, die mit Start des Projekts verbunden wurden, umzusetzen. Maßgebliche Kriterien, die den Ausschlag dafür gegeben haben, MeinRad in dieser Form umzusetzen, wurden bis heute nicht erfüllt. Hier muss noch nachgebessert werden. Grundsätzlich sind die Idee und die Einführung eines Fahrradverleihsystems sehr gut und zukunftsweisend. Um die Erwartungen einzulösen und das System zu verbessern, wird das Dezernat Kowol aufgefordert, die Mängel zügig anzugehen und zu beseitigen.“

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Ansprechpartner