Zu dem Thema „Bildungssprache – Deutsch: Auslaufmodell, notwendiges Übel oder wichtiger denn je?“ hatte die Arbeitsgemeinschaft christdemokratischer Lehrer Wiesbaden (ACDL) den Hessischen Kultusminister Prof. Dr. Alexander Lorz, die beiden Professoren Roland Kaehlbrandt und Ulrich Mehlem, die Studenten Shawan Borto und Marlene Böning sowie die Social-Media-Expertin Talitha Girmus eingeladen. Über 70 Gäste folgten der Einladung des Kreisverbandes in das Walhalla im Exil nach Wiesbaden und wurden nicht enttäuscht. Moderatorin Anja Schöpe und ihr Team hatten sich ein besonderes Veranstaltungsformat einfallen lassen. Nach einer kurzen Vorstellungs- und Eröffnungsrunde der Gäste konnten sich alle Besucher im benachbarten Raum an Stehtischen direkt mit den Gästen austauschen, was sehr intensiv genutzt wurde. In der dritten und abschließenden Phase fand ein Austausch der Diskussionsteilnehmer miteinander statt.
Die 24-jährige Influencerin Talitha Girmus teilte mit, dass sie hauptsächlich in englischer Sprache und mit kurzen Sätzen auf Instagram kommuniziere. Für sie sei es wichtig, mit kurzen Aussagen ihre 1,7 Millionen Follower zu erreichen. Lange Botschaften seien absolut nicht passend. Eine beeindruckende Vita konnte der Student Shawan Borto aufweisen. Er kam vor zehn Jahren ohne jegliche Sprachkenntnisse des Deutschen aus dem Irak nach Deutschland und studiert als Alumnus der START-Stiftung, die Stipendien an talentierte Jugendliche mit Migrationshintergrund vergibt, inzwischen Jura. Für ihn ist die deutsche Sprache Grundlage zur Integration. „Für mich war es wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen, um mich hier zu integrieren. Klar verwende ich per WhatsApp auch eine Kurzschreibweise, jedoch muss ich bei juristischen Ausarbeitungen eine formale Sprache verwenden. Die Umstellung ist absolut wichtig“, äußerte sich Shawan Borto.
Dem schlossen sich auch die Professoren Roland Kaehlbrandt und Ulrich Mehlem an. Sie betonten zudem die Bedeutung der Kompetenz, adressaten- und anlassbezogen zwischen Umgangs- und Bildungssprache zu unterscheiden. Beide Wissenschaftler begrüßten, dass sich Sprache verändert. „Es ist doch schön, wenn die meisten jungen Menschen neben der deutschen Sprache auch die englische Sprache beherrschen“, sagten die Professoren übereinstimmend. Dennoch bedürfe es eines Konsenses über sprachliche Regeln und Gepflogenheiten, da Sprache Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben sei. Zudem stelle sie ein wertvolles Kulturgut und die Voraussetzung für die Lektüre der großen Werke deutscher Literatur dar und es wäre doch schade, wenn diese in einigen Jahren keiner mehr verstehen könne.
Kultusminister Lorz berichtete davon, dass er als Vater eines erwachsenen Sohnes sehr häufig mit ihm per WhatsApp kommuniziere, so erreiche er seinen Sohn am besten. Bei praktischen Fragen konsultiere sein Sohn Youtube. „Das ist natürlich eine andere Art von Sprache, aber sie prägt unsere Gesellschaft. Sprache ist die Grundlage jeglicher Kommunikation und es ist unerlässlich, dass die deutsche Sprache beherrscht wird“, berichtete der Hessische Kultusminister. Professor Kaehlbrandt erzählte von einem kürzlich durchgeführten Diktat mit vielen prominenten Teilnehmern in der Hessischen Landesvertretung in Berlin. „Keiner der Teilnehmer kannte den Text im Voraus und Alexander Lorz war der einzige Teilnehmer ohne Fehler,“ sagte Kaehlbrandt. Dem Minister eilt der Ruf voraus, dass ihm kein Rechtschreib- und Grammatikfehler entgehe.
Alle Diskussionsteilnehmer berichteten von spannenden Gesprächen an den Stehtischen. Einigkeit bestand bei den Teilnehmern darin, dass die Bildungssprache Deutsch wichtig sei. „Der Hessische Kultusminister Alexander Lorz hat dieses Thema zu recht zum Thema seiner KMK-Präsidentschaft gemacht. Das unterstreicht die Bedeutsamkeit der Thematik;“ sagte Prof. Kaehlbrandt. Dem schlossen sich die weiteren Teilnehmer an und betonten nochmals, den Wert der Sprache als Grundlage für das gesellschaftliche Zusammenleben. „Wichtig ist, dass man den passenden Sprachstil verwendet,“ sagten die beiden Studenten Shawan Borto und Marlenene Böning abschließend.
Kreisvorsitzender Claus Müller bedankte sich bei allen Diskussionsteilnehmern und Besuchern der Veranstaltung. Sein besonderer Dank galt Anja Schöpe, die die gesamte Veranstaltung federführend organisiert und souverän die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte.

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