Dr. Reinhard Völker: Stadt kann möglichen Neuregelungen entspannt entgegen sehen

 

„Einer derzeit diskutierten Termingarantie für Facharztbesuche können wir in Wiesbaden noch entspannt entgegenblicken“, erklärt Dr. Reinhard Völker, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Rathausfraktion Wiesbaden. Laut Presseberichten sei von der Bundesregierung geplant, eine Termingarantie im Zeitraum von vier Wochen einzuführen. Wenn in diesem Zeitraum kein Termin zustande kommt, soll über Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung eine Behandlung bei einem Klinikfacharzt organisiert werden. Die Kosten für die Behandlung müsste in diesem Fall die Kassenärztliche Vereinigung tragen.

 

Laut regionalem Gesundheitsreport verteilen sich in Wiesbaden derzeit insgesamt 160 Fachärzte aus allen Facharztgruppen auf 93 Standorte. Gemessen an der Einwohnerzahl und der Versorgungsrate ist im Report derzeit von einer Überversorgung an Fachärzten die Rede. „Wiesbaden ist also gut aufgestellt“, so der CDU-Gesundheitsexperte. Gleiches gelte für die Entfernung vom Wohnort der Patienten zu den Praxen. Der hessenweite Durchschnitt liege bei 11,2 Kilometern. Wiesbadenerinnen und Wiesbadener müssten im Durchschnitt lediglich sechseinhalb Kilometer zurücklegen.

 

In der Prognose für das Jahr 2020 werden im Gesundheitsreport allerdings zwei Ärztegruppen aufgeführt, bei denen der Versorgungsgrad voraussichtlich stark zurückgehen wird: Augenärzte sowie Kinder und Jugendärzte. Aktuell gibt es in Wiesbaden 32 zugelassene Augenärzte, wovon bereits im kommenden Jahr sechs Ärzte altersbedingt schließen werden – das entspricht einer Quote von 19 Prozent. In den Jahren bis 2017 werden sieben weitere Ärzte der Prognose folgend schließen. Sollte die Prognosen zutreffen, würden im Jahr 2020 gerade einmal 23 Augenärzte in Wiesbaden existieren.

Erst vor zwei Jahren hatten Patienten mit Augenproblemen in Wiesbaden das Nachsehen. „Seitdem der augenärztliche Notdienst seine Pforten geschlossen hat, müssen Patienten bei akuten Problemen den ärztlichen Notdienst aufsuchen, um dann gegebenenfalls zu einer anderen Klinik weitergeschickt zu werden“, gibt Dr. Reinhard Völker zu bedenken. Seit Einstellung des Notdienstes habe sich die Zahl der Patienten aus Wiesbaden und Umgebung, die sich im benachbarten Mainz an der Uniklinik behandeln lassen müssten, vervierfacht

 

Für Kinder- und Jugendmedizin gebe es zurzeit 27 zugelassene Fachärzte in Wiesbaden. Bis ins Jahr 2020 werden laut Prognose in Summe elf Einrichtungen altersbedingt schließen. Das macht einen Rückgang von 41 Prozent aus. Damit liegt Wiesbaden beim Rückgang der Kinder- und Jugendärzte deutlich über dem hessischen Durchschnittswert von 33 Prozent. „Bei beiden Medizinbereichen müssen wir zeitnah den Kontakt zu Ärztevertretern suchen, damit frühzeitig gegengesteuert werden kann“, erläutert Dr. Reinhard Völker. 

 

Auch die Versorgung mit Ärzten der restlichen Fachrichtungen sollte aus zwei Gründen weiter beobachtet werden. Zum einen liegt der Anteil der Mitversorgung von Patienten außerhalb Wiesbadens bereits heute bei 36,4 Prozent. Damit müsse Wiesbaden eine starke Mitversorgungsbelastung tragen. Zum anderen könne die mögliche Verlagerung von Facharztpatienten in Richtung der Wiesbadener Kliniken nicht das Ziel sein. Damit würde sich die Problemlage nämlich nur verschieben. „Letztendlich können die Fachärzte in der Klinik nicht all dies abfangen, was die Praxen nicht leisten können. Lange Schlangen und Wartezeiten bleiben dann auch hier nicht aus“, so Dr. Reinhard Völker abschließend. 

 

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