Röck-Knüttel (CDU): „Schicksal der Betroffenen ehren – Instrumentalisierung verhindern“

„Jedes Opfer von Folter und Hinrichtung hat schlimmstes Leid durchgemacht und verdient unser Mitgefühl, das wollen wir keineswegs kleinreden. Wir ehren das Schicksal der betroffenen Frauen und Männer und niemand wird nach heutigem Rechts- und Weltverständnis die Urteile von damals gutheißen“, erklärt die Stadtverordnete Nicole Röck-Knüttel, frauenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion. Der Antrag der LINKEN / Piraten in der heutigen Stadtverordnetenversammlung werde dem Thema aber in keiner Weise gerecht. „Er ist schlecht recherchiert und ohne nachvollziehbare Bezüge.  Wer nur einen einzigen populärwissenschaftlichen Buchartikel als Quelle heranzieht, der sich wiederum einzig mit den ehemals nassauischen Teilen des heutigen Wiesbaden beschäftigt, kann es mit der Thematik nicht besonders ernst meinen“, so Röck-Knüttel weiter. Dazu werde offenbar übersehen, dass die sechs genannten Opfer bereits auf der Gedenktafel im damaligen Gerichtsort Idstein eingetragen sind und damit ein würdiges Andenken bereits stattfindet. „Idstein ist der authentische Ort, an dem das Gedenken Sinn macht. In Wiesbaden gibt es dagegen keine Stelle, die einen Bezug zu den Geschehnissen von damals hat“.

Dass der Antrag zur Bearbeitung unter anderem in den Ausschuss für Frauenangelegenheiten überwiesen werden soll, sei schwer verständlich und zeige die rein ideologisierende Intention der Antragsteller. Zwar seien im Gebiet des heutigen Deutschland wegen Hexerei verurteilte Frauen in der Überzahl. Wer aber in seinem Antrag mit europaweiten Opferzahlen argumentiert, müsse auch zur Kenntnis nehmen, dass in einzelnen Regionen Europas deutlich mehr Männer wegen Zauberei verurteilt und getötet wurden als Frauen. 

 

Das Hexenthema zur Frauensache zu erklären, füge sich ein in die Tradition ideologischen Missbrauchs der Opfer, erläutert die Kommunalpolitikerin. Spätestens seit der Zeit des Nationalsozialismus kann diese Debatte nicht mehr unbefangen geführt werden.  Die ‚Hexe‘ wurde durch die NS-Ideologie zur Trägerin urgermanischen Wissens und germanischer Religion stilisiert, die einer vermeintlichen jüdisch-christlichen Vernichtungsstrategie zum Opfer fiel. Mit intensiven Forschungen und Propaganda bemühten sich die Nationalsozialisten in missbräuchlicher Weise um  Rehabilitierung der Opfer. Dieses völkisch-feministische Bild gelangte nach 1945 mit erstaunlich viel Kontinuität in die Argumentationslinien internationaler radikaler Feministinnen und wuchs sich zu fragwürdigen Verschwörungstheorien, diesmal linker Ideologie, aus. Demnach hätten die „weisen Frauen“ mit ihrem geheimen Wissen über Verhütung und Abtreibung dem demografischen Interesse männlicher Feudalherren widerstanden und mussten eliminiert  werden. So erklärte man Hexen nicht nur zu Verteidigerinnen weiblicher Selbstbestimmung im Sinne der 1970er und 1980er Jahre, sondern auch zu Widerständlerinnen gegen die politisch sozialen Verhältnisse insgesamt. Mit seriöser Wissenschaft hat dies alles nichts zu tun. Wie man längst weiß, gab weder eine gezielte Vernichtungsstrategie gegen Frauen, noch gegen ihr vermeintliches geheimes Wissen. Zum Frauenthema hat es erst die radikale Frauenbewegung gemacht.

„Der Verweis auf den Ausschuss für Frauenangelegenheiten ist daher ein fragwürdiges Vorgehen, das nicht die Schicksale der Opfer in den Mittelpunkt stellt, sondern das interessengeleitete Bild, das ihnen im Laufe der Jahrhunderte übergestülpt wurde“, so Röck-Knüttel abschließend.

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