Damit Älterwerden Zukunft hat, lud die Wiesbadener CDU zum Gedankenaustausch im Rahmen eines Kreisparteitages in das Bürgerhaus Kastel.

 
Die Entwicklung der älter werdenden Generation war der Kern des Themen-Kreisparteitages der CDU Wiesbaden. Sowohl die zukünftige ärztliche Versorgung in Wiesbaden als auch der Pflegebedarf waren die Schwerpunkte des Abends. Die beiden Referenten, Dr. Wolfgang Knauf, Ärztlicher Direktor der Asklepios Paulinen Klinik und Direktor des Zentrums für Internistische und Geriatrische Medizin sowie Dr. Thomas Beer, Dipl. Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, führten aus ihren Perspektiven in die Thematik ein.

Dr. Knauf forderte  Aufbau einer flächendeckenden Versorgung mit geriatrischen (altersmedizinischen) Schwerpunktpraxen sowie die obligate Integration geriatrischer Kompetenz in den Aufnahmealgorithmus aller Krankenhausnotaufnahmen. Auch die Einbindung geriatrischer Kompetenz in Netzwerkstrukturen der Altenhilfe hält er für sinnvoll.

Unter anderem befürwortet Dr. Knauf den Ausbau präventiver Angebote für Senioren (z.B. Sturzprävention, Demenzscreening) und sieht hier auch eine Möglichkeit, durch die Verhinderung von Stürzen und deren Behandlung, natürlich die Schmerzen aber auch die Kosten im Gesundheitssystem zu sparen. Er plädiert für die Einrichtung geriatrischer Lehrstuhle an den Universitäten und der Etablierung des Schwerpunktes Geriatrie im Gebiet Innere Medizin der Weiterbildungsordnung für Ärzte unter Beibehaltung der Möglichkeit des Erwerbs der „Zusatzweiterbildung Geriatrie“ für Haus- und Fachärzte. Dr. Knauf wünscht sich eine Stärkung der Ehrenämter und weist  Aktivierung und Qualifizierung der vielen „go goes“ für die „slow and no goes“. Das heißt, die gegenseitige Unterstützung in der Gesellschaft muss gezielt gefördert werden, so dass „go goes“ (Mobile Personen) den sich schlechter Bewegenden helfen können und so gemeinsam stark sind.  Auch er spricht sich für eine  Verhinderung von „Pflegesilos“ aus und fordert die hessische Landesregierung auf, sich mit dem Heimbaugesetzt zu befassen. 

Dr. Thomas Beer, Dipl. Pflege- und Gesundheitswissenschaftler, Geschäftsleiter des EVIM Katharienenstifts in Wi-Biebrich, betont die erforderlichen zukünftigen Handlungskompetenzen für die professionelle

Pflege alter Menschen. Bis 2050 erwartet er eine Bedarfssteigerung um 160 – 230% an Pflegekräften. Hier sieht er Handlungsbedarf und fordert regionale Kampagnen zur Imageförderung. Gezielte pflegerische Präventionsprogramme, Aufbau niederschwelliger Beratungs- und Schulungskonzepte für pflegende Angehörige und der Anschluss der Berufsausbildung in der Pflege an das duale Berufsausbildungssystem sind nur einige seiner Ideen zur Verbesserung der Pflegesituation. Er regt an, regionale Hochschulen für Gesundheitsberufe zu fördern (z.B. Schwerpunkt Geriatrie).

Dr. Beer schildert die Möglichkeiten, mit  gut ausgebildeten Pflegekräften einerseits Ärzte entlasten zu können und andererseits die in der Altenpflege sogenannten geriatrischen  „I´s“  (= Instabilität, Inkontinenz, Immobilität und Intellektuellen Abbau)  zu behandeln hinzu mehr Stabilität, Mobilität, Kognitiven Fähigkeiten und Kontinenz. Die Pflegeausbildung sollte unter dem Motto „Klasse statt Masse“ stehen.

Bereichert wurde die anschließende Diskussion durch den Fachanwalt für Medizinrecht, Hans-Joachim Schade, Ekkehardt Ludwig, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Wiesbaden sowie Bernd Hartlieb, Regionalgeschäftsführer der BARMER GEK Wiesbaden. Schwarzkittel trifft Weißkittel, so bezeichnet sich Rechtanwalt Schade, der als Anwalt das Recht der Ärzte vertritt. Er beobachtet die Entwicklung in der medizinischen Versorgung und wünscht sich eine wohnortnahe Versorgung. Diese sieht er aber, unter den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitsbereich und dem schwachen Ärztenachwuchs in Deutschland, in Gefahr. Der plädiert, vor allem in der Rolle des älteren Bürgers Wiesbadens, für städtische Pilotinitiativen, um die, seiner Meinung nach absehbare,  ärztliche Unterversorgung frühzeitig durch freiberufliche Kooperations-Projekte zu kompensieren. Herr Ludwig, KV Wiesbaden, spricht offen im Namen der Ärzte, die haben nach seiner Ausfassung, oft ein die „Schnauze voll“. Die Ärzte lieben ihren Beruf, aber die Vorgaben und Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte seien nicht optimal und erschlagen durch Bürokratisierung. Auch er fordert Mut zu neuen Konzepten. Herr Hartlieb nahm den Bereich der Pflege auf und unterstrich die Forderung, den Nachwuchs der Pflegekräfte zu stärken.
Die CDU Wiesbaden nahm unter der Leitung des Kreisvorsitzenden Horst Klee, die Forderungen der Experten auf und stellte weitere Thesen, die vom Arbeitskreis Gesundheit unter der Leitung von Petra Dittmann in der Vorbereitung erarbeitet wurden, den Delegierten zur Abstimmung vor. Somit wurden Ideen zur Verbesserung der Situation unterbreitet, jetzt heißt es aktiv werden und Projekte in Angriff nehmen. Die CDU war sich einig: 

Damit Älterwerden Spaß macht, will die Wiesbadener CDU diesen Prozess aktiv begleiten. Der Auftakt ist gemacht.

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