Der ACDL-Kreisverband Wiesbaden und der AK Schule hatten zu einer Veranstaltung mit dem hessischen Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz ins Wiesbadener Galli-Theater eingeladen. Nach der Begrüßung der rund 50 Gäste durch den Kreisvorsitzenden der ACDL Wiesbaden, Claus Müller, und die Vorsitzende des AK Schule, Dr. Heike Jäger, erfolgte ein pointierter und äußerst anregender Vortrag durch den Minister zum Thema.

Ausgehend von der Bedeutung qualitätsorientierter Bildung für eine Gesellschaft im Hinblick auf die Sicherung der Demokratie und die Zukunftsfähigkeit unseres Landes erläuterte der Minister zunächst das christliche Menschenbild als Basis aller bildungspolitischen Überlegungen, ließen sich daraus doch die zentralen Grundwerte einer christlich-demokratischen Bildungspolitik, nämlich Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit ableiten.

Da Bildung sowohl ein individueller als auch ein gesellschaftlicher Prozess sei, müsse auch das Bildungssystem so konstruiert sein, dass es sowohl der Freiheit des Einzelnen als auch der Gerechtigkeit aller diene, sprich die freie Entfaltung der Persönlichkeit im Rahmen der sozialen Gemeinschaft zulasse und fördere. Ebenso dürften materielle Ausgangslagen beim Zugang zu Bildung oder einer bestimmten Schulform keine Rolle spielen. Gesellschaftlicher Aufstieg durch Bildung müsse möglich sein.

Dies unterstreichen auch bildungspolitische Maßnahmen der hessischen Landesregierung, auf die der Minister kurz einging: Exemplarisch nannte er die im Landesschnitt 105%ige Lehrerversorgung der Schulen, die zusätzlichen Stellen im Ganztag oder im Bereich der sozial-indizierten Lehrerzuweisung. Das politische Ziel einer dementsprechenden Bildungspolitik ist somit ein auf Freiheit und Solidarität beruhendes Schulsystem, das auf Basis dieser Grundwerte ein menschenwürdiges und gelungenes Leben für alle Schülerinnen und Schüler ermöglicht. Ein solches System müsse leisten, so Lorz, dass jedes Kind sich gemäß seinen Fähigkeiten, Begabungen und Neigungen entfalten bzw. gefördert werden könne. Gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass kein Kind zurückgelassen werde. Hierfür sei ein offener Zugang zum Bildungswesen genauso von entscheidender Bedeutung wie die unbedingte Notwendigkeit seiner Durchlässigkeit. Nur so könne Chancengerechtigkeit erreicht werden. Dabei stehe immer das Kindeswohl im Mittelpunkt aller bildungspolitischen Entscheidungen.

Aus diesen Überlegungen leitete der Minister sein Plädoyer für ein differenziertes Schulsystem ab und erteilte einer auch heute immer wieder von linker Seite aus das Wort geredeten „Einheitsschule“ eine klare Absage, auch weil alle empirischen Studien zu dem Ergebnis kommen, dass die Strukturfrage nicht entscheidend ist. Ein erfolgreiches und gerechtes Schulsystem muss für jedes Kind das richtige und nicht für alle das gleiche Bildungsangebot bereitstellen. Jeder Bildungsgang hat von daher seine eigene Berechtigung, gilt es doch unseren Schülerinnen und Schülern einen ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Schulabschluss zu ermöglichen. Der Unterschiedlichkeit von Menschen mit einer einzigen Schulform zu begegnen, ist zum Scheitern verurteilt. Vielmehr ist auf Diversität mit Diversität zu antworten. Freiheit als einer der wesentlichen Grundwerte erfordert insbesondere auch die Wahlfreiheit der Eltern und Schülerinnen und Schüler, den für sie richtigen Bildungsweg zu finden. Echte Wahlfreiheit besteht nur in einem vielfältigen und differenzierten Bildungssystem. Das Motto „Eine Schule für alle“ ist daher weder demokratisch noch der Natur des Menschen entsprechend.

Die Veranstalter und Besucher waren sich abschließend einig, dass den Schulen und ihren Lehrkräften eine langfristige und verlässliche Grundlage sowie klare Ziele für ihre herausfordernden und anspruchsvollen Aufgaben geboten werden müssen. Die Zeiten eines unproduktiven und vor allem ideologisch aufgeladenen Schulkampfes sind zum Glück vorbei. Mit Ideologie lässt sich keine gute Schule machen, vielmehr ist der Weg der Mitte auch in der Bildungspolitik der richtige Weg.

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