Biebrich als größter Stadtteil Wiesbadens verfügt objektiv über viel zu geringe Raumkapazitäten für Aktivitäten und Veranstaltungen seiner Vereine und Bürger, erklärten die Biebricher CDU-Stadtverordneten Renate Kienast und Ulrich Weinerth.

Der Bürgersaal in der Galatea-Anlage als derzeit einziger Möglichkeit für Vereine, einen gebührenfreien Raum anzumieten, hat nicht mal mehr den Charme einer Bahnhofswartehalle und ist insbesondere für feierliche Veranstaltungen kaum ein Aushängeschild, erklärte Renate Kienast.

Es sei ein Unding, so Ulrich Weinerth, dass ein Stadtteil Wiesbadens, der mit 36.000 Einwohnern größer als viele Kreisstädte in Hessen sei, über kein Bürgerhaus oder eine Mehrzweckhalle verfüge. In Biebrich gibt es ein reges Vereinsleben, mehr als hundert Vereine sind hier aktiv, und es gibt lediglich einen Bürgersaal, der mal gerade eben so um die 220 Personen Platz bietet, wenn man die Versammlungsstättenrichtlinie großzügig auslegt.

Wenn man in Biebrich einen Veranstaltungsraum sucht, ist man überwiegend auf kostenpflichtige Anmietungen bei Kirchengemeinden und einigen wenigen Vereinen mit eigenen Räumlichkeiten (z. B. TV Biebrich/SG Germania) angewiesen. Renate Kienast verweist darauf, dass da teilweise Mieten genommen werden, die die Finanzkraft von Vereinen übersteigt, zumal auch nicht überall eine Eigenbewirtschaftung zugelassen ist, worauf viele Vereine angewiesen seien, um ihre Arbeit zu finanzieren.

Es entbehrt nicht einer gewissen Kuriosität, findet Weinerth, dass es Stadteile in Wiesbaden gibt, die mit Gemeinschaftszentren und Bürgerhäusern „reich gesegnet sind“ und in denen es laute Forderungen nach weiteren Räumen, Vereinshäusern u. ä. gibt.

Als Stadtverordnete müsse man sich ja zurückhalten, um keine künstliche Aufgeregtheiten aufkommen zu lassen, wenn aber ein Stadtteil über drei bürgerhausähnliche Einrichtungen verfügt und dann beispielsweise noch ein Haus der Vereine fordert, dann muss man dies als Biebricher Kommunalpolitiker für überzogen halten, ohne missgünstig zu erscheinen.

Fast „jedes Dorf in Wiesbaden“ verfügt über mindestens ein Bürgerhaus oder ähnliche Einrichtungen, lediglich in dem riesengroßen Biebrich muss man sich mit einem wenig attraktiven Bürgersaal zufrieden geben, meinen die beiden Stadtverordneten um die Forderung nachzuschieben: Biebrich braucht ein Bürgerhaus.

Kienast und Weinerth sind sich im Klaren darüber, dass diese Forderung zunächst als unrealistische Spinnerei abgetan werden könnte. Sie sind sich aber auch sicher, dass man in Biebrichs gesellschaftlichen und Vereinskreisen auf Zustimmung stoße. Und da nicht nur ein Mangel an allgemeinen Veranstaltungsräumen sondern auch an Hallenkapazitäten für den Sportbereich herrsche, sollte das zu bauende Gebäude als Mehrzweckhalle, ähnlich wie in Nordenstadt, Amöneburg und anderswo für kulturelle wie auch sportliche Zwecke geplant werden.

 

Allen „Bedenkenträgern“ und „Berufs-Pessimisten“ versicherten die CDU-Stadtverordneten zu wissen, dass ihre Forderung nicht als Schnellschuss zu realisieren sei und man sich auf das Bohren ganz, ganz dicker Bretter bis zur Realisierung einstelle. Ein solches Projekt bedürfe nicht nur einer sorgfältigen Planung, einer Suche nach einer pfiffigen Finanzierung, einer sorgfältigen Suche nach einem geeigneten Grundstück und der Zustimmung aller maßgeblichen und politisch Verantwortlichen in Biebrich und Wiesbaden, ein solches Projekt setze auch auf jeden Fall eine Menge Geduld und Langmut voraus.

„Nur wenn nicht endlich mal eine solche politische Forderung erhoben wird,“ die nach Ansicht der beiden schon seit Jahrzehnten überfällig sei, „dann wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten in Biebrich nichts entwickeln außer der Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation!“, so Kienast und Weinerth, die beide auch Mitglied des Biebricher Ortsbeirats sind.

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