Der Frage „Gefühlte vs. tatsächliche Sicherheitslage in Wiesbaden - wie sicher ist Wiesbaden wirklich?“ ging der AK Innere Sicherheit in seiner Sitzung am 22. März 2019 nach. Vor rund 30 Gästen stellten Wiesbadens Bürgermeister Dr. Oliver Franz (CDU) und Polizeipräsident Stefan Müller den aktuellen Sachstand zu ihrem gemeinsamen Sicherheitskonzept "Gemeinsames Sicheres Wiesbaden" sowie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2018 vor.

Seit Einführung des Konzepts im April 2018 wird dies erfolgreich umgesetzt, bspw. durch die Eröffnung der neuen Innenstadtwache in der Mauritiusgalerie, der Aufstockung des Personals der Stadtpolizei oder durch die Einführung der Waffenverbotszone, die seit Januar 2019 in Teilen der Wiesbadener Innenstadt gilt. Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt zudem, dass die Fallzahlen im Bereich der Straßenkriminalität und auch in den Bereichen Diebstahl und Betrug zurückgegangen sind und damit den niedrigsten Stand seit vielen Jahren erreicht haben. Gleichzeitig ist es der Wiesbadener Polizei gelungen, die Aufklärungsquote in diesen Deliktbereichen zu steigern.

Trotzdem haben viele Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens das Gefühl, ihre Stadt sei nicht sicher. Hierzu stellte Polizeipräsident Müller einige Thesen auf, warum dies so sein könnte. Zu den Gründen gehören laut ihm vor allem der Zustand der Innenstadt (Müll, leerstehende Gebäude, schlechte Beleuchtung), aber auch viele junge Menschen, die Alkohol oder Drogen konsumieren sowie Gruppen junger Männer. Letzteres führe zu einem Verlust der Sozialkontrolle, wenn bei den Menschen, die nachts unterwegs sind - anders als in anderen Städten –keine Heterogenität mehr gegeben ist. Als Gründe führte Müller aber auch den zunehmenden Vertrauensverlust in den Staat und seine Handlungskompetenzen seit 2015 auf. Hinzu kämen die mediale Berichterstattung und die zunehmende Skandalisierung von Ereignissen. Terroranschläge in Europa (z. B. Berliner Weihnachtsmarkt) führten zudem zu einer Verwundbarkeit im öffentlichen Raum. Über die sozialen Medien würden darüber hinaus auch Falschmeldungen verbreitet werden, die Unsicherheiten weiter schüren. Die Struktur der Stadt käme erschwerend hinzu, da sich alles im Bereich der Innenstadt konzentriere und es nicht wie in anderen Städten, verschiedene Zentren gäbe.

Um noch mehr über das Sicherheitsgefühl der Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger zu erfahren, ist im September 2019 eine repräsentative Befragung von jungen Frauen und Männern, im Alter von 16 bis 29 Jahren in Planung. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung werden in einer Arbeitsgruppe ausgewertet und analysiert. Auf der Grundlage dieser Analyse werden dann passgenaue Konzepte zur Verbesserung der tatsächlichen Sicherheitslage erarbeitet.

Die angeregte Diskussion zeigte, dass das Thema die Wiesbadener Bürgerinnen und Bürger sehr bewegt und trotz zahlreicher bereits erfolgter Maßnahmen noch einiges in diesem Bereich zu tun ist.

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