Radikale Islamisten werben nicht nur in den Fußgängerzonen, sondern auch in deutschen Gefängnissen um Anhänger. Vor diesem Hintergrund führte der Arbeitskreis Innere Sicherheit in seiner November-Sitzung eine Veranstaltung mit dem Wiesbadener Imam Husamuddin Meyer durch, der u.a. als muslimischer Seelsorger in Gefängnissen arbeitet. Über diese und weitere Aspekte seiner Arbeit berichtete der Imam, der auch als Leiter der Beratungsstelle Salafismus und stellvertretender Imam einer Wiesbadener Moschee tätig ist.

Die Moscheen sind nach Aussage von Imam Meyer sehr stark sprachlich geprägt, es gibt jedoch kaum deutschsprachige Islamangebote, obwohl viele Menschen in den Moscheen die Sprache ihrer ursprünglichen Herkunftsländer zum Teil nur rudimentär beherrschen – und dies gilt ebenfalls für muslimische Gefangene. Gefängnisse bieten – so auch die Erkenntnisse nach den Attentaten in Frankreich – einen idealen Nährboden zur Radikalisierung. Ohne Imame in Gefängnissen ist die Gefahr groß, dass Religionsunterricht von Menschen angeboten wird, die diese Tendenzen fördern, zumal oft das Wissen um die Religion ebenfalls nur rudimentär vorhanden ist. Ein weiterer wichtiger Baustein seiner Arbeit ist die Unterstützung der Moscheen durch Übersetzung des Freitagsgebetes in die deutsche Sprache, um dort falschen Auslegungen entgegen zu wirken. Wichtig sei auch, so Imam Meyer, dass den Menschen das Gefühl gegeben werde, dass ihre Religion zu Deutschland gehöre und sie sich nicht aufgrund ihres Glaubens oder Hautfarbe von der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen.

Rund ein Viertel der männlichen Insassen in hessischen Gefängnissen sind muslimischen Glaubens, in Jugendgefängnissen liegt diese Quote bei 40 bis 50 Prozent. Daher wurde auch die Zahl der dort tätigen Imame in den letzten Jahren auf mittlerweile 15 Imame aufgestockt. Hessen ist betreffend der seelsorgerischen Ausstattung der Gefängnisse deutschlandweit führend und investiert im aktuellen Doppelhaushalt über 300.000 Euro. Auch die Aktivitäten des Integrationsamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden wurden seitens unseres Referenten positiv bewertet und es hat viele richtige Impulse gesetzt. Die Seelsorge steht bei der Tätigkeit von Imam Meyer im Vordergrund und ist nicht gleichzusetzen mit Deradikalisierung. In erster Linie gehe es ihm darum, die Gefangenen zu beruhigen. Denn diejenigen, die in sich ruhten, hätten weniger Veranlassung zu Straftaten, so der Imam. Dadurch hat die Arbeit auch präventiven Charakter.

(Daniela Georgi)

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