Prof. Dr. R. Alexander Lorz: „Fördern und Fordern ist der christliche Grundsatz, für den die CDU steht - jedes Kind soll sich nach seinen eigenen Begabungen und Talenten optimal entfalten können“

Der Kreisverband der CDU Wiesbaden hat gemeinsam mit seinem Arbeitskreis Schule eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Grundsätze und Grundwerte der Volkspartei CDU am Beispiel der Bildungspolitik“ am  29. Juni 2016 durchgeführt. Eingeleitet wurde dieses Thema mit einem Vortrag des Hessischen Kultusministers Prof. Dr. R. Alexander Lorz. An der Veranstaltung im Haus der Heimat nahmen rund 50 Personen teil. „Insbesondere in einer Zeit der sich auflösenden sozialen Milieus und dem damit verbundenen starken Abschmelzen der Stammwählerpotenziale kommen den Grundsätzen und Grundwerten der CDU und dem Volksparteienkonzept eine herausragende Bedeutung zu“, so der Kreisvorsitzende der Wiesbadener CDU Dr. Oliver Franz in seinen einführenden Worten.

„Die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland zu einer erfolgreichen Demokratie wäre ohne die Idee der Volkspartei nicht denkbar gewesen. Nach wie vor ist die Volkspartei die einzige politische Formation, die verschiedene Strömungen und Interessen bündelt. Von jeher speist sich die Volkspartei CDU aus drei geistigen Quellen: der christlich-sozialen, der wertkonservativen und der liberalen“, sagte Prof. Dr. Lorz.  Zudem sprach er sich in seinem Vortrag dafür aus, das christliche Menschenbild als zentraler Kern der CDU-Grundsatzprogrammatik - und damit verbunden die Grundwerte Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit – wieder stärker in den Blickpunkt politischen Handelns zu stellen. Ausgangspunkt dafür ist die christliche Auffassung vom Menschen, der sowohl ein individuelles als auch soziales Wesen ist. Dem Menschen muss die Möglichkeit gegeben werden, seine Persönlichkeit zu entfalten. Dazu gehöre auch, den Menschen zu „Fördern und Fordern“.

Für  christlich-demokratische Bildungspolitik bedeute dies, dass Bildung entsprechend dem christlichen Menschenbild als individueller und gesellschaftlicher Prozess zu sehen sei. Die menschlichen Begabungen seien ebenso wie die Leistungsfähigkeit und Neigungen nicht bei jedem Kind gleich. Dementsprechend solle sich jedes Kind nach seinen eigenen Begabungen und Talenten optimal entfalten können. Dabei spiele die Wahlfreiheit der Eltern und Schülerinnen und Schüler eine zentrale Rolle – mit Blick auf die weiterführende Schulart, vor allem aber auch mit Blick auf Ganztagsangebote oder z.B. die Inklusion und die damit verbundene Wahl zwischen Regelschule und Sonderschule. Wahlfreiheit stelle die Vielfalt der Kinder in den Mittelpunkt und sei deshalb ein Wert, den die CDU nicht aufgeben dürfe. „Ziel unserer Bildungspolitik ist es, jedes Kind mitzunehmen und kein Kind zurückzulassen. Dies gelingt jedoch nur in einem gerechten Bildungssystem, in dem alle Schüler ein Kompetenzniveau durch Schule erreichen, welches ihnen ein gesichertes Leben in unserer Gesellschaft und die Teilnahme an demokratischen Prozessen ermöglicht“, führt Prof. Dr. Lorz aus. Dies gelte unabhängig von den familiären Bedingungen, dem sozialen Hintergrund oder der Wahl des Bildungsganges. Alle sollen ein ihren Begabungen, Neigungen und Fähigkeiten entsprechendes  hohes Bildungsniveau  erreichen, ungeachtet ihrer finanziellen Möglichkeiten, ihres Geschlechtes, ihrer Hautfarbe oder ethnischen Herkunft.

Am Ende seines Vortrages ging der Hessische Kultusminister noch auf die Frage bezüglich der Zukunft der CDU ein und wohin geht der Weg? Folgende Thesen stellte er als Impulssetzungen für die sich anschließende lebhafte Diskussion vor:

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    Die CDU kann auch in Zukunft nur erfolgreich sein, wenn sie ihren Grundsätzen folgt und weiterhin einem werteorientierten Kurs der Mitte folgt.

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    Dieser Kurs beinhaltet ein tendenziell ausgewogenes Verhältnis aller grundsätzlichen politischen Strömungen der CDU. Diese müssen inhaltlich-programmatisch und personell deutlich hervortreten.

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    Die CDU muss mit den gesellschaftlichen Entwicklungen programmatisch umgehen, ohne populistisch dem „Zeitgeist“ zu folgen. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft, in der sich die sozialen Milieus aufgelöst haben, muss es Anspruch der CDU sein, neue Wählerschichten zu gewinnen, ohne die Stammwähler zu verlieren.

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    Kompetente und glaubwürdige Personen als identitätsstiftende Leitfiguren werden immer wichtiger

Als Fazit der Diskussion lässt sich zusammenfassend feststellen: Nur das Volksparteienkonzept garantiert die strukturelle Mehrheitsfähigkeit der CDU, sie ist die einzig verbliebene Volkspartei in Deutschland. Die CDU hat bisher immer den Spagat geschafft, unterschiedliche Strömungen zu integrieren. Daher ist ein optimistischer Blick in die Zukunft möglich. Voraussetzung, um dies zu schaffen, ist die Fähigkeit aller innerhalb der Partei zur Kompromissbildung und Konsensfindung.

„Politik tut gut daran, sich immer wieder auf die christlichen Wurzeln von Staat und Gesellschaft zu besinnen. Es ist und bleibt dabei die Aufgabe christlicher Politik, für die Wiederbelebung einer Kultur der Verantwortung für sich und den nächsten zu sorgen“, so abschließend Prof. Dr. R. Alexander Lorz.

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