Bernhard Lorenz: „Symbol für Integration“

„Die CDU-Rathausfraktion hat sich nach einer ausführlichen und differenzierten Diskussion für eine Städtepartnerschaft mit Fatih ausgesprochen.“ Mit diesen Worten fasst der Vorsitzende Bernhard Lorenz die Entscheidung seiner Fraktion zusammen, die bestehenden Kontakte zu Fatih auszubauen, einem Stadtteil Istanbuls.

„In Fatih findet sich die gesamte Bandbreite der türkischen Gesellschaft. Das reicht von strenggläubig-konservativen Muslimen in einem touristischen Zentrum bis zur modernen türkischen Elite. Deshalb fallen Berichte über Fatih extrem unterschiedlich aus, je nachdem, welcher Teil der Gesellschaft im Fokus steht“, begründet der integrationspolitische Sprecher der CDU-Rathausfraktion Stefan Spallek die differenzierte Diskussion in den Medien, die sich auch in der Fraktion niedergeschlagen habe. „Die Einschätzungen der gesellschaftlichen Situation in Fatih mögen umstritten bleiben. Der Fraktion war es am Ende aber wichtiger, wie diese Partnerschaft gelebt werden wird“, lenkt Stefan Spallek den Blick nach vorne.

Zwar ähnle das türkische Rechtssystem dem deutschen, doch habe sich die Türkei für ein anderes politisches System entschieden und ruhe auf einem anderen kulturell-religiösen Wertesystem. „Dadurch ist uns die Türkei fremder als z.B. westliche Nationen. Das bedeutet eine größere Herausforderung an die Verständigungsbereitschaft beider Seiten. Darin liegt aber auch der besondere Reiz dieser Städtepartnerschaft“, zeigt sich Bernhard Lorenz überzeugt. Außerdem reichten die deutsch-türkischen Beziehungen weit in die Geschichte zurück. „Wer das Verhältnis von Deutschen und Türken mit der Zuwanderung türkischer ´Gastarbeiter` nach Deutschland beginnen lässt, verkennt diesen historischen Reichtum und reduziert die Türken auf eine bestimmte Rolle“, so Bernhard Lorenz weiter.

Die Städtepartnerschaft mit Fatih biete die Chance für viele Wiesbadener, ihr Bild von der Türkei und ihren Menschen zu erweitern. „Wir werden dann auch die türkischstämmigen Wiesbadener mit anderen Augen sehen. Und umgekehrt kann diese Partnerschaft zu einem Identifikationspunkt für unsere türkischstämmigen Mitbürger hier in Wiesbaden werden. Insofern ist die Entscheidung für eine Städtepartnerschaft mit Fatih auch ein Symbol für die Integration“, betont Stefan Spallek. Dafür sei kaum ein anderer Ort in der Türkei besser geeignet als Istanbul, die Schnittstelle zwischen Orient und Okzident. Fatih sei ein kultureller Schmelztigel mit einer 8000jährigen Tradition.

„Beide Seiten werden ihre Gemeinsamkeiten und ihre Unterschiede selbstbewusst in diese Partnerschaft einbringen. Wir sind neugierig auch was die Unterschiede angeht und werden diese nicht verleugnen. Deshalb bedeutet die Städtepartnerschaft mit Fatih nicht, dass wir den Beitritt der Türkei in die Europäische Union unterstützen“, stellt Bernhard Loren klar. Wichtig sei es, dass möglichst viele Menschen in beiden Städten einander kennenlernen und so immer mehr übereinander erfahren. „Der Städtepartnerschaft mit Fatih kann man ein türkisches Sprichwort als Motto voranstellen“, so Bernhard Lorenz abschließend: „ Etwas nicht zu wissen ist keine Schande, etwas nicht zu lernen ist eine.“

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