Der Vorsitzende der CDU-Rathausfraktion, Bernhard Lorenz, kritisiert die Äußerungen des AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, der auf Twitter den Sohn von Boris Becker, Noah Becker, als „Halbneger“ bezeichnet hatte: „Die Äußerungen Maiers sind empörend und gehören nicht in unsere Zeit. Die öffentliche Kritik daran ist vollauf berechtigt“, so Lorenz. Lorenz sieht die AfD diesbezüglich in der Pflicht zu handeln.

„Die öffentliche Kritik an den Äußerungen des AfD-Bundestagsabgeordneten Maier wäre glaubwürdiger, wenn man sich ähnlich kritisch zu den Äußerungen des Präsidenten von Eintracht Frankfurt, Peter Fischer, über AfD-Wähler äußerte“, gibt Lorenz zu bedenken. „Im politischen Umgang mit dem AfD-Abgeordneten und dem Eintracht-Präsidenten sollte man mit dem gleichen Maß messen.“ Fischer hatte in verschiedenen Interviews erklärt, dass es sich nicht mit der Satzung des Vereins vertrage, AfD zu wählen, und dass niemand Mitglied bei Eintracht Frankfurt sein könne, der die AfD wählt. Lorenz hält solche pauschalen Diffamierungen für abwegig: „Das ist sachlich durch nichts gedeckt und indiskutabel. Im Unterschied zum AfD-Abgeordneten Maier, der sich umgehend von seinen Äußerungen distanziert hat, hat Eintracht-Präsident Fischer öffentlich sogar nachgelegt und erklärt‚ es gebe ‚für die braune Brut‘ und für ‚Nazis‘ keinen Platz bei Eintracht Frankfurt.“ Diese einfache Gleichsetzung von AfD, „brauner Brut“ und „Nazis“ kritisiert Lorenz. „Es gibt Standards, die man beachten muss. Eine von fachlichen Standards nicht gedeckte Herabsetzung von Menschen ist inakzeptabel – und zwar immer. So wie man nicht von ‚Halbnegern‘ spricht, verunglimpft man nicht die Wähler einer von den Verfassungsschutzbehörden nicht als verfassungsfeindlich eingestuften Partei als ‚braune Brut‘ und ‚Nazis‘. Das ist Unsinn.“

Lorenz erwartet von Eintracht Frankfurt als einem der großen Fußballvereine in der Region eine ebenso deutliche Reaktion auf die Äußerungen ihres Präsidenten Fischer wie sie die AfD angesichts der Äußerungen Maiers über Noah Becker gezeigt habe: „So wie in der AfD über einen Mandatsverzicht Maiers diskutiert wird, sollte bei Eintracht Frankfurt ein Rückzug des Präsidenten diskutiert werden, zumal dieser im Gegensatz zu Maier offensichtlich keinerlei Einsehen in die Fragwürdigkeit seiner Äußerungen zeigt.“

Lorenz erinnert daran, dass der AfD-Bundesvorstand parteiliche Ordnungsmaßnahmen gegen den Sprecher des AfD-Landesvorstands in Thüringen und Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Thüringischen Landtag, Björn Höcke, wegen dessen Äußerungen zur bundesdeutschen Erinnerungspolitik eingeleitet habe – und das, obwohl der Verfassungsschutz im rot-rot-grün regierten Thüringen die AfD derzeit nicht beobachtet. Auch der AfD-Landesverband Sachsen, dem Maier angehört, hatte schon einmal ein – inzwischen zurückgezogenes – Parteiausschlussverfahren gegen Maier wegen früherer Äußerungen angestrengt. In ihrer Gesamtheit, so Lorenz abschließend, werde die AfD von den Verfassungsschutzbehörden derzeit nicht als verfassungsfeindlich eingestuft. „Das kann in Zukunft anders sein, aber im Moment gibt es keine fachlichen Standards, die es rechtfertigten, AfD-Wähler als ‚braune Brut‘ und ‚Nazis‘ zu verunglimpfen.“

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