Zu einer hochinteressanten, aufschlussreichen und auch sehr gut besuchten gemeinsamen Diskussionsveranstaltung hatten der ACDL-Kreisverband Wiesbaden und der AK Schule der CDU Wiesbaden in die Kreisgeschäftsstelle eingeladen. Das Thema IRU gehört zu den Themen, die zum Teil kritisch diskutiert werden, was nicht zuletzt den aktuellen Geschehnissen in der Türkei geschuldet sein dürfte.

Größten Wert legten die Veranstalter deshalb von Beginn an auf die objektive, fachliche Information und die allgemeine Diskussion bzw. Bewertung, wobei beidem ausreichend Raum gegeben werden konnte. Nach der Begrüßung durch den Kreisvorsitzenden der ACDL Wiesbaden, Claus Müller, erfolgte der höchst aufschlussreiche Vortrag zur Genese des IRU durch die zuständige Fachreferentin im Hessischen Kultusministerium, Frau Nurgül Altuntas. Sie betreut den IRU ununterbrochen seit der Entscheidung zur Einführung unter der vormaligen Kultusministerin Nicola Beer (FDP) im Jahre 2012.

Als besonders aufschlussreich erwies sich in ihrem Vortrag u.a., dass der IRU, wie die anderen Religionsunterrichte auch, als ordentliches Lehrfach in staatlicher Verantwortung, nach jeweils staatlich genehmigten Curricula, in deutscher Sprache und durch staatlich qualifizierte Lehrkräfte muslimischen Glaubens erteilt wird, von denen die Mehrzahl derzeit Frauen sind. Generell ausgeschlossen ist, dass in Hessens Schulen Imame unterrichten. In der Schulpraxis, so das Zwischenfazit, verläuft der IRU in Hessen in ruhigen und geordneten Bahnen. Er basiert – wie alle 13 bekenntnisorientierten Religionsunterrichte in Hessen – auf Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes, der wie folgt lautet: „Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Kein Lehrer darf gegen seinen Willen verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erteilen“. Weiterhin erfuhren die Zuhörer, dass die Lehrkräfte in Hessen ihre Wurzeln neben der Türkei beispielsweise in Tunesien, Marokko, Afghanistan oder auch im Iran haben, die allermeisten aber, nicht zuletzt aus beamtenrechtlichen Gründen, inzwischen deutsche Staatsbürger sind.

Überaus interessant gestaltete sich auch der Exkurs, den die Referentin zur Konzeption des IRU in Hessen machte. So hätten auf Grund der heterogenen Struktur des Islam zunächst einmal islamische Religionsgemeinschaften als Ansprechpartner gefunden werden müssen. Diese hätten sich im Anschluss zunächst einer ausführlichen staatskirchenrechtlichen Prüfung unterziehen müssen. Ferner hätten Kerncurricula verfasst werden müssen, die für jeden Kooperationspartner gesondert den inhaltlichen Rahmen der Unterrichte abstecken. Diese wurden, wie wiederum alle Kerncurricula in Hessen, neben einer ausführlichen verwaltungsinternen Prüfung im Kultusministerium einem breiten gesellschaftlichen Beteiligungsverfahren unter Einbezug verschiedenster gesellschaftlicher Akteure wie z.B. der großen Kirchen unterzogen. Schließlich hätten die Universitäten und Studienseminare dafür gewonnen werden müssen, einen entsprechenden Lehramtsstudiengang anzubieten und die Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte zu übernehmen.

Im Anschluss an diesen überaus informativen Vortrag konnten zunächst fachliche Fragen mit der Referentin erörtert werden, bevor sich die allgemeine Diskussion entspann. Diese gestaltete sich ausgesprochen sachlich und berücksichtigte verschiedenste Blickwinkel, so z.B. auch die aktuell durch die Hessische Landesregierung in Auftrag gegebene abermalige Begutachtung von DITIB Hessen e.V.

Fazit: Die Rechnung der Veranstalter, sachlich und strukturiert dem bestehenden Informationsbedürfnis in einem aktuellen Thema zu begegnen, zahlte sich in diesem Fall voll aus. Es wurde deutlich, dass der IRU in Hessen bisher in ruhigen Bahnen erfolgreich verläuft.

Zitat des Abends: „Die Alternative zum IRU wäre doch, die religionstechnische Unterweisung unserer muslimischen Jugendlichen wieder vollständig und mit allen potentiellen Konsequenzen den jeweiligen Moscheegemeinden zu überlassen“.

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